A Legacy of Love - MKII

FJOERGYN - Sade et Masoch (Digi-CD)
(Reartone Music)
2007

Fjoergyn "Sade et Masoch" Reviews

Legacy:
FJOERGYN “Sade Et Masoch”
(Reartone)
FJOERGYNs Namensgeberin ist zwar eine Gestalt aus der isländischen Mythologie, für Viking Metal-Fanatiker muss aber gesagt werden, dass diese vielleicht etwas enttäuschte Gesichter machen würden, sollten sie sich FJOERGYNs „Sade Et Masoch“ zu einem netten bierseligen Umtrunk unter Gleichgesinnten nach Hause holen. Und auch diejenigen, die sich unter „Sade Et Masoch“ Musik zur Untermalung von allerlei nicht gerade jugendfreie Spielchen vorstellen, werden wohl eher zu anderen Schlag-mich-Bands tendieren. Namen sind ja bekanntlich Schall und Rauch, und deshalb sollten nur musikalisch offene Persönlichkeiten, die auch gern mal bei einem Gläschen Rotwein über den Unsinn des Lebens philosophieren und den Begriff ´Metal´ gern auch mal mit anderen Musikstilen kombiniert hören, jetzt weiter lesen. FJOERGYN mischen Death Metal mit fetten Orchester-Samples, Punk-Riffs mit virtuosen Klaviersoli und Black Metal mit episch breiten oder auch mal sehr modernen Klängen. Trotzdem zieht sich durch den Stilsalat ein roter Faden, Stephan L.s variabler Gesang, der auch von drei oder vier Sängern kommen könnte, und ein ausgefeiltes thematisches Konzept. Die Lyrics drehen sich um Sadismus und Masochismus des Menschen, der für Erfolg oder Ruhm alles tun würde, Selbstkritik natürlich ehrlicherweise inbegriffen. Wer keine Angst vor Textpassagen voller Wahrheitsgehalt und diese unterstreichende Musik voll der dazu nötigen Dramatik hat, sollte bei FJOERGYN nicht nur einmal reinhören. Die zahlreichen Details erschließen sich erst nach und nach, wie kleine akustische Belohnungen für die Hirn- und Gehörgangswindungen, die bei „Sade Et Masoch“ gehörig zum Arbeiten angeregt werden. (DK)
13 Punkte

Sonic Seducer:
Fjoergyn
„Sade Et Masoch“
(Reartone/ Twilight)
Was vor über zwei Jahren mit dem herrlichen naturromantischen Debütalbum „Ernte Im Herbst“ begann, das führen diese ostdeutschen Musikphilosophen nun mit ihrem neuen Langspieler fort. „Sade Et Masoch“, ein geradezu symbolschwangerer Titel, der vorab sofort andeutet, dass Fjoergyn ihre welt- und vor allem sozialkritische Attitüde nicht ad acta gelegt haben. „Unsere“ eine Welt, ein an sich wunderschöner und sich selbst ständig vervollkommnender Planet – seit Menschenanbeginn an jedoch nur noch ein Tummelplatz von manisch sadistisch veranlagten Masochisten? Fjoergyn werfen auf ihre ganz ureigene Art so manche hochinteressante Frage im Geiste auf. Jedoch hat sich auf musikalischem Sektor so einiges geändert, denn die zuvor im Pagan Metal-Sektor angesiedelten Naturverehrer legen ihre künstlerischen Leidenschaften neuerdings unter dem Signum „Sophisticated Avantgarde Dark Metal“ dar. Wer nun daraufhin auf qualitative Einbußen spekuliert, den enttäuschen diese Individualisten auf ganzer Ebene. Denn Lied an Lied reihend, offenbart sich auf „Sade Et Masoch“ das ganze intelligente Spektrum der Macher, welche jederzeit wissentlich ihrer eigenen Stärken agieren. So ergießen sich die neun neuen Kompositionen als welttraumatisch genährte Untergangspsychosen, vertont allerdings in allerfeinstem Dark Metal-Opportunismus. Dabei schielen die klanglich so derart gewandelten Thüringer allerdings keineswegs auf vorherrschende stilistische Moden – es entstand ein gleichfalls textlich aufrüttelndes wie künstlerisch tiefgründiges Werk, dessen hypnotisch-harter Urkraft man sich nicht entziehen kann. Völlig frei von gängigen und erfolgsträchtigen Simplizismen, bewegen sich die Thüringer Todesboten auf löblich eigenständigem Terrain. Edlen klassischen Anleihen verwehrten sich die noch immer merklich hoch ambitionierten Visionäre auch diesmal nicht, so darf der Hörer eine Vielzahl an anmutig orchestrierten Symphoniepassagen genießen. Letztere wurden mit Opulenz und Finesse gleichermaßen kreiert. Ein zwingender Pflichtkauf, ein absolutes Muss für Fans von Bands wie Eisregen, Dornenreich und Type O Negative.
Markus Eck

Metal1.de:
Fjoergyn
„Sade Et Masoch“
(Reartone/ Twilight) 9,5/10

Auf kaum ein Werk habe ich so sehnsüchtig dieses Jahr gewartet wie der Nachfolger zum grandiosen Debüt „Ernte im Herbst“ des ehemaligen Soloprojekts FJOERGYN. Er ist verheißungsvoll „Sade et Masoch“ betitelt und schon ein Blick auf die Tracklist lässt die Vorfreude bei mir in ungeahnte Höhen schießen. Die Messlatte war mit dem Vorgänger schon extrem hoch gelegt worden, jedoch beseitigt bereits der erste Durchlauf jegliche Zweifel: FJOERGYN sind zurück. Stärker als anno 2005, ohne Drumcomputer, erneut ein ausgereiftes in sich geschlossenes Konzept, das trotzdem an das vorherige anschließt und setzt abermals auf bombastische orchestrale Unterstützung.Dieses Album zu hören ist ein ständiges Neuerleben der Eindrücke, ein Höllenritt durch die tiefen der menschlichen Emotionen und gleichzeitig doch an manchen Stellen ein befreites Schweben über den Wolken. Es passt zum Werk, dass die Schlagzeugspuren nun nicht mehr aus der Konserve stammen und somit um einiges organischer klingen ohne den nötigen Druck vermissen zu lassen. „Sade et Masoch“ ist innerlich zutiefst zerrissen, zeigt schonungslos wie kaum eine zweite Band das Zusammenspiel der Emotionen äußerster Verzweiflung, aber ist trotzdem fast erschreckend „schön“. Die einprägsamen Gitarrenspuren harmonieren noch wesentlich besser als auf „Ernte im Herbst“ mit den nun wirklich erwachsen wirkenden orchestralen Elementen, an denen nicht gespart wird, die der Musik eine unbeschreibliche niederdrückende Kraft verleihen.Doch gehen wir ins Detail, denn jeder Song auf diesem Album ist für sich gesehen einzigartig. Mit Pagan bzw. Viking Metal hat es allerdings nicht mehr viel zu tun und das ist auch gut so, denn FJOERGYN bewegen sich in ihrem eigenen Genre. Höchstens der kurze Prolog erinnert noch sehr daran, doch bereits „Das Leid des Einhorn“ zeigt, dass man wesentlich avantgardistischer und frei von allen Barrieren ans Werk geht. Natürlich gibt es Elemente aus eben genannten Stilrichtungen, wie melodieführende Flötenspuren und Klavierzwischenspiele, doch nach den ersten drei Songs wird klar, dass der Weg, der eingeschlagen wurde nicht nur ein wenig anders und doch wieder ähnlich wie der von „Ernte im Herbst“ ist, sondern auch wahnsinnig intensiv. Man hält eine Steigerung hier schon für kaum möglich, ist eigentlich vollkommen zufrieden, da die Erwartungen alle bestätigt wurden, doch ab „Masoch“ brennen die Thüringer ein wahrhaftiges Feuerwerk ab.Man reibt sich ungläubig zuerst Augen und dann die Ohren, denn das ist einfach nicht von dieser Welt. Brutale Soundwälle gehen in harmonische Flächen über, Stimmungen werden erzeugt und werden eiskalt wieder zerstört. Der Hörer wird förmlich niedergedrückt von der Kraft des Albums um dann wie zur Mitte von „Masoch“ doch wieder fliegen zu dürfen, wenn sich dunkle Streicherteppiche langsam mit einem Klavier zu einem riesigen Chor formen. Irgendeinen Titel als stärksten Song zu nennen ist fast ein Ding der Unmöglichkeit, jedoch gehört das nun folgende „Katharsis“ ohne Zweifel in die ganz enge Auswahl, auch auf Grund der Vielseitigkeit des Songwriting, das vor allem hier zum Tragen kommt. Man schreckt nicht vor kleinen Industrialspielereien zurück, die schlichtweg umwerfend eingebaut wurden, ebenso wenig vor allen nur erdenklichen Arten von Gesang. Ich ziehe meinen imaginären Hut vor Stephan, denn in seinen Kompositionen ist es vor allem seine Stimme, die dieses Werk einzigartigen machen. Die stimmliche Variation als Sinnbild für die menschliche Zerrissenheit könnte besser kaum eingesetzt werden und ob geflüstert, gekreischt oder gegrunzt, wobei die Zwischenschritte noch wesentlich differenzierter sind: Wahnsinn.Textfragmente wie „Es tut mir Leid ich kann das nicht, ich schrei es euch ins Angesicht // Wenn ich nun geh und euch verlasse, dann nur weil ich euch so sehr hasse“ brennen sich so ungehindert in das Gedächtnis des Hörers, der nur noch staunen kann. Es ist eine Schande, dass mir die Lyrics bei dieser Promoversion noch nicht vorliegen, einen sehr intensiven Blick sind sie jedenfalls mit Sicherheit wert. Die aufgeschnappten Fetzen, sowie die Information hierzu im Pressetext macht „Sade et Masoch“ noch ein Stückchen faszinierender. Grob gesagt versucht man den Menschen in seiner Art als Sadist und Masochist, weit über die sexuelle Verwendung dieser Begriffe hinaus, zu charakterisieren und diese Eigenschaften am Beispiel des Menschlichen Schaffens zu zeigen.Die zweiundfünfzig Minuten Spielzeit vergehen trotz der gewaltigen musikalischen Leistung, die sich über einen ergießt, wie im Flug und werden von einem fantastischen „Sade“ als Schlussstück, das am Ende einen Auszug aus „Greensleeves“ beinhaltet, abgeschlossen. Obwohl man erstmal Zeit benötigt, das Ganze zu verdauen, will man es unbedingt immer wieder anhören. Langeweile kommt mit Sicherheit nicht auf bei „Sade et Masoch“, das FJOERGYN noch einmal gereifter zeigt und alle meine Erwartungen mit Leichtigkeit zu übertreffen vermag. Parallelen zum Vorgänger sind natürlich vorhanden, doch zeigt man sich trotzdem komplett anders. Ein „Ernte im Herbst Part II“ darf und sollte man nicht erwarten, jedoch ist der Weg den die Band eingeschlagen hat der absolut richtige. Man liefert ein absolutes Highlight, ein Hammeralbum, wie ich es nie für möglich gehalten hätte. Von der "cineastischen" Intensität in mindestens ähnlich hohen Sphären wie Disillusions "Back To Times Of Splendor" angesiedelt, jedoch mit einer komplett anderen musikalischen Umsetzung. In meinen Augen erneut schlichtweg einzigartig und mit Sicherheit eines der Alben des Jahres, das für gehörig Gesprächsstoff sorgen wird.
 
Bewertung: 9.5/10
Redakteur: Nicolai Teufel

Bloodchamber
Fjoergyn
Album Sade Et Masoch
Reartone/Twilight
Es gibt Standardwerke, die man als ernstzunehmender Durchschnittsmenschenfeind im Cd-Regal stehen haben sollte, um sich an tiefsinnigen Gesprächen mit gleich gesinnten Unbekannten nach dem einen oder anderen Bier zu viel noch ordentlich beteiligen zu können, obwohl man meistens genauso wenig Ahnung hat wie sein Gegenüber. Glücklicherweise gehört der Zweitling des deutschen Ausnahmeprojekts FJOERGYN nicht zu diesen. Auf „Sade et Masoch“ bekommt man dagegen ein ausgereiftes Konzept mit massig Hintergedanken und ordentlichem, künstlerischen Anspruch in einer recht untypischen, aber überzeugenden Form.
Aus dem einstmaligen, als solches ursprünglich konzipierten Soloprojekt des Bandkopfes Stephan L. ist eine ernstzunehmende Band geworden, die nun in voller Besetzung auch durchaus ansprechende Auftritte abliefern kann, wie man es zum Beispiel auf dem Ragnarök Festival diesen Jahres erleben durfte. Auch wenn die klassischen Elemente immer noch vom Band kommen, ist ein Ersetzen des Drummcomputers eine wirklich feine Sache. Das Nichtvorhandensein eines Keyboarders, dürfte in diesem Fall sowieso die beste Lösung sein und dem ganzen Projekt noch leicht industrielle Züge bewahren.
Wie dem auch sei, dieses Album hat für die geneigte Seele einiges an stimmungsvollen Antonymen zu bieten, ohne dabei das Hörvergnügen einzuschränken oder aus dem Leim zu geraten. Schon allein das Klangbild gestaltet sich dermaßen Facettenreich und neuartig, obwohl es sich im Grunde nur um eine gelungene Verschmelzung der metallischen und der klassischen Welt handelt, die sich szenenhaft und trotzdem flüssig dem Hörer erschließt.
Der Einstieg mag vielleicht etwas weniger beeindruckend ausfallen, da das Werk als Ganzes im Ablauf kaum nachvollziehbar wirkt, aber schon bald kristallisieren sich unwiderstehliche Sequenzen heraus, die einem tagelang durch den Kopf geistern. Die simplen Pianogrundmuster und der recht konventionelle Gitarreneinsatz geben eine schöne Führung vor, die produktiv und zugleich kontraproduktiv von den verschieden intensiven Klassiksequenzen hinterlegt werden. Hier zeigt sich der wundervoll satirische Charakter des Albums. Die Klassik vermittelt eine Stimmung die zwischen glorifizierend positiv und neutral pendelt, wodurch der leicht tragische Unterton in der Regel beinahe überspielt wird. Die Streicher und Bläser produzieren ein erhabenes Freudenlied, das im Kontrast zum textlichen Inhalt, meist aber nicht seiner Vortragsweise steht. Hier wird eine Hassode auf den Menschen vorgetragen, die trotz der bitteren Texte, selbstbewusst und spöttisch fröhlich über diesen triumphiert. Konstanter Höhepunkt des Albums sind ohnehin die konzeptionellen Texte. Mal poetisch, mal als Dialog oder auch vergleichbar mit dem imperativen Zitieren einer Bibelstelle trägt man das Material vor und manchmal scheint es, als wolle man den Hörer oder gar die gesamte Welt direkt anklagen. Dies geschieht ebenfalls äußerst flexibel in schwarzmetallischer, reiner oder auch flüsternder Weise. Für besondere Augenblicke sorgen zudem die klaren Passagen des Zweitsängers, die sich unumgänglich ins Gehirn fräsen.
Was soll ich sagen? Zu diesem Album könnte man ohne Probleme reinen Gewissens seinen eigenen Untergang und den der Menschheit obendrein feiern. Wenn ich bedenke, wie oft ich diese Platte nun schon gehört habe und wie lange diese Sucht wahrscheinlich noch andauern wird, dann vergebe ich hier reinen Gewissens eine entsprechende Punktzahl.

9,5/10 Punkten

Nocturnal Hall:
Von: Stormlord
Punkte: 10/10

Im Zeitalter von mp3 Downloads und Überschwemmung des Marktes mit einer Unzahl an Veröffentlichungen bedarf es schon eines Zufalls, um eine wirkliche Perle nicht zu verpassen. Die zweite Möglichkeit: eine gewisse Band hinterlässt bei einem Konzert bleibende Spuren und „zwingt“ so förmlich zu einer näheren Betrachtung ihrer Werke. Von FJOERGYN kenne ich das erste Album Ernte Im Herbst, das eigenwilligen, orchestral arrangierten Metal enthielt. Live am Ragnarök Festival gefielen sie mir auch gut, nur entfaltet sich die Magie ihrer wunderbaren Musik wohl besser im heimischen Wohnzimmer.
Das liegt vor allem an den vielen ruhigen, ja zerbrechlich wirkenden Passagen, in denen die Texte nur flüsternd vorgetragen werden. Dies geschieht so eindringlich und bestens auf die Instrumentalleistung bzw. Lautstärke abgestimmt, dass FJOERGYN auf Sade Et Masoch schon in diesem Zusammenhang erste Pluspunkte sammeln können. Gänsehautgarantie pur bieten auf jeden Fall die Stellen, bei denen die Stimme kaum von Instrumenten begleitet und ihr so sehr viel Raum gegeben wird. Der Inhalt der deutschen Texte ist dabei weit von Peinlichkeit entfernt; manchmal klingen sie romantisch, dann wieder fies und krank. Die Band bewegt sich lyrisch in etwa zwischen Dornenreich und Eisregen. Dasselbe gilt auch für den Vortrag, der neben der flüsternden Nuance auch eine aggressive Seite zu bieten hat. Dem nicht genug, weiß auch die klare Stimme sehr zu gefallen. Hinsichtlich der musikalischen Gestaltung lassen FJOERGYN auch überhaupt nichts anbrennen, die schon bekannten dramatisch-orchestralen Einsprengsel ergänzen sich mit den schnelleren sowie auch entspannt dahin gleitenden Parts hervorragend. Das Keyboard kann mit eindrucksvoller Melodieführung weiters zum Gelingen der durchgehend hochklassigen Kompositionen beitragen.
Jedes Lied ist wie ein äußerst abwechslungsreiches Kapitel in einem Buch gestaltet – und ich nehme hier wahllos eines der zahlreichen kompositorischen Juwele heraus, um die musikalische Herangehensweise der Band zu skizzieren, Die Hierarchie Der Engel betitelt. Beginnend mit zarten Piano/Streicher-Elementen, die alsbald von einem komplexen Schlagzeugtakt unterlegt werden, übernimmt die aggressive Stimme den Vokalvortrag. Im weiteren Verlauf kommen orchestrale Einsprengsel und sogar recht flotte Parts ebenfalls nicht zu kurz. Eine schwebende Keyboardmelodie im Einklang mit Doublebass-Drumming geleitet zum Refrain, der sich sofort im Gedächtnis festzusetzen vermag. Der geflüsterte Teil fesselt den Hörer dann atemlos vor der Stereoanlage, bevor die Spannung wieder durch kraftvolles Doublebassspiel entladen wird. Verschiedenste Elemente werden mit größter Sorgfalt miteinander verwoben - und genau in diesem Punkt beweisen FJOERGYN größtes künstlerisches Geschick. Im Umgang mit Komplexität und Variabilität bleibt der rote Faden immer straff gespannt und der Abwechslungsreichtum artet nie in undurchschaubares Chaos aus. Sogar moderne Sounds kommen zu minimalen Ehren, doch trotz der Vielfalt habe ich nie den Eindruck, dass möglichst viele Teile bloß simpel-sinnlos aneinandergereiht werden.
So sind diese gut 50 Minuten ein wahrer Genuss von der ersten bis zur letzten Nummer, die eine große Zielgruppe ansprechen könnte. Orchestraler Bombast, gemäßigter Black Metal, romantische, doch ebenso kranke oder menschenfeindliche Stimmungen – all das beinhaltet Sade Et Masoch und dürfte so denjenigen unter euch zusagen, die Musik abseits des Gewöhnlichen entdecken wollen. Zum Abschluss passt nichts besser als ein Textzitat der Künstler selbst (aus Narziss(t)): „Wir alle sind unsterblich, weil jeder lebt hinfort“ - FJOERGYN sind dem Ziel, länger im Gedächtnis zu bleiben oder gar die Zeiten zu überdauern, mit diesem Werk in meinen Augen einen Schritt näher gekommen.

Powermetal.de:
Nach ihrem erfolgreichen Debüt "Ernte im Herbst", welches besonders durch die naturbezogene, anspruchsvolle Lyrik und der Symbiose aus Pagan Metal mit stilechter Klassik à la Strauss und Wagner für Aufmerksamkeit sorgte, erblickt nun der Nachfolger "Sade et Masoch" deutlich experimenteller, aber auch reifer und authentischer das Licht der Welt.
Der Albumtitel, und somit zugleich das Konzept von "Sade et Masoch", beschreibt nach Aussage der Band den Menschen in seiner Art als Sadist bzw. Masochist im Zusammenhang mit der allgegenwärtigen Natur. Man schließt also direkt an "Ernte im Herbst" an. Musikalisch wurde bei dieser Veröffentlichung ein größeres Augenmerk auf die Gitarrenläufe gelegt, worauf sich alle Songs aufbauen. Speziell bei diesen Gitarrenläufen fallen die neuen experimentellen Seiten der Band auf, da zum Beispiel vereinzelt punkige Riffs oder langgezogene Soli das Soundgewand erweitern. Hinzu kommt wieder das schön eingesetzte Klavier, welches den Songs eine gewisse Melancholie verleiht und leichte Parallelen zu EMPYRIUM (beim Debüt war es noch FALKENBACH) erkennen lässt.
Wie auch beim Vorgänger kommt der Klassische Anteil nicht zu kurz und wartet mit Bläsern aller Art und klangvollen Streichern auf, die verträumte, malerische, aber auch mächtige und düstere Klänge beschwören. Zusätzliche Akzente setzen die cleanen und teils gewisperten Gesangspassagen von Stephan L., welche bestimmte Abschnitte besonders intensiv und drückend erscheinen lassen. Ansonsten variiert die Stimme zwischen stilisiertem Krächzen und dumpfem Growling, ist und bleibt aber weitgehend verständlich und passend.
Positiv zu erwähnen ist auch der Drummer aus Fleisch und Blut, wurde dieser damals doch durch einen Drumcomputer vertreten. Das echte Drumming erweist sich dadurch als sehr authentisch und wirkt nicht so penetrant und künstlich, was damals etwas der Atmosphäre weniger gut tat. Insgesamt weist "Sade et Masoch" eine glasklare Produktion auf. FJOERGYN schaffen es, durch ihr musikalisches und lyrisches Können (Die Texte sind teils als Gedichte verfasst), die Kernaussage wunderschön verpackt aber schwer verdaulich in das Großhirn des Hörers hinein zu schmieden. Dazu ist jedoch mehrmaliges Durchhören nötig, da gerade kleine Details sich erst später offenbaren und erst dann die volle Wirkung des Werkes entfalten. Spätestens dann entstehen Bilder im Kopf, die auf subtile Art und Weise schrecklich aber auch faszinierend sind und zum Nachdenken anregen.
Die Scheibe strotzt nur so vor Abwechslungsreichtum und weiß an jeder noch so kleinen Ecke zu überzeugen. Schon der perfekte Übergang zwischen schnellen Blast-Parts und sanften Passagen spricht für sich. Einzig und allein das Outro, welches im Song 'Sade' eingebaut ist, nervt eher mit seinen elektrisch verzogenen Klängen. Trotzdem sei diese CD jedem Naturfan, Liebhaber von avantgarden Dark/Black-Metal-Klängen oder Sympathisant des Vorgängers ans Herz gelegt.
"Sade et Masoch" ist jedoch kein Album, welches man nur auf einem Ohr hört. Für dieses Werk muss man sich Zeit nehmen. Die Belohnung folgt mit der Zeit. Schwere Kost also: Entweder man kann sie verdauen, oder eben nicht ...
Anspieltipps: Katharsis, Narziss(t), Sade

Sebastian Schneider [26.06.2007]

Amboss Webzine:
FJOERGYN "Sade et Masoch" (Klassik/Pagan Metal) (Reartone Music / Twilight)
Nachdem das Erstwerk von FJOERGYN, "Ernte im Herbst", bereits viele positive Kritiken einheimsen konnte, gibt's nun mit "Sade et Masoch" (bennant nach Marquis de Sade und Leopold von Sacher-Masoch) den Nachfolger. Wieder kann sich der Hörer auf außergewöhnliche Kompositionen freuen, die aus einem Grundgerüst von klassischer Musik und Black/Pagan Metal aufgebaut sind.
Epischer Bombast sowie raue Vocals gehören ebenso zum Klangbild der Thüringer, die ihre Songs nicht wirklich massenkompatibel aufbauen. Es gibt viele Momente, die Ruhe und Schönheit ausstrahlen, dann aber auch die schroffen, schnellen Parts, meist dominiert vom Klavier und Gitarrenharmonien. Es gibt immer wieder Breaks in den Stücken, die das Album durchaus progressiv wirken lassen. Man braucht nicht viele Durchläufe, um ins Werk reinzukommen und Gefallen an ihm zu finden, man kann das Album aber viele weitere Durchläufe genießen und immer wieder Neues entdecken. "Sade et Masoch" ist dabei nicht nur musikalisch ein faszinierendes Album geworden, auch mit den deutschen Texten über Natur, Glaube und den Mensch kann man sich noch einige Zeit beschäftigen.
FJOERGYN haben mit dem zweiten Album die Erwartungen voll erfüllt. Kein Album für die Masse, aber wer sich mit Musik im Einfluss von Enid, Nagelfar oder auch Dornereich auseinandersetzt, wird sein Kleinod hierin finden. Bester Track ist für mich "Katharsis" (den man sich auch hier anhören kann), weil der am epischsten ist und durch Einsatz von klarem Gesang prachtvoll ergänzt wird. Also, einfach reinhören und kaufen www.fjoergyn.de (eller)

MyRevelations Webzine:
Fjoergyn (Anmerkung: lt. der germanischen Mythologie die Mutter des Thor, "Mutter Erde") bringen mit "Sade Et Masoch", ihr Zweitlingswerk auf den Markt, das eigentlich bereits im Februar 2007 veröffentlicht werden sollte. Aufgrund von Problemen einen zuverlässigen Vertrieb zu finden erscheint das Werk nun doch erst Ende Juni bei Twilight. Mit "Sade Et Masoch" haben Stephan L. und Andreas T. auch Verstärkung durch Martin L. am Schlagzeug gefunden und somit kommen Fjoergyn ab jetzt ohne Drumcomputer aus. Auch für "Sade Et Masoch" wurde nicht auf die Zusammenarbeit mit Jens Bachmann (Falkenbach, Antichrisis) verzichtet in dessen Studio die Scheibe produziert wurde.
Nach einem orchestralen, melodiösen Intro "Prolog" geht's zur Sache. Anfangs dachte ich erst man hätte hier versucht Rammstein mit Eisregen zu kreuzen, aber wenn man genau hinhört stellt man schnell fest, dass sich so einfach kein Vergleich finden lässt. Auch wenn mich die fauchende Grunzstimme wirklich hin- und wieder an Eisregen erinnert und ich mich deswegen damit erst anfreunden musste, würde ich Fjoergyn dann doch eher in Richtung Dornenreich einordnen.
Fjoergyn stehen für progressiven Avantgarde-Dark Metal, der mit klarem Gesang, sowie Black-Metal-Gegrunze, ordentlichen Riffs, schnellen Blasts, und Klassik-Anteilen mit wunderschönen Melodien - von Bläsern, Streichern untermalt und durch das Klavier getragen - für Abwechslung sorgt.
Auch textlich gehen Fjoergyn eigene Wege, so handelt "Sade et Masoch" von der Natur des Menschen und eben dessen sadistischen und masochistischen Seiten, aber eben nicht im Hinblick auf sexuelle Handlungen. Es geht viel mehr um die Zerstörrungsucht des Menschens, um Hass, und Selbstzerstörung, Selbstmord und Gewalt, ob durch Neid, Gier oder Verzweiflung getrieben. Ich möchte mir die Texte, die sich inhaltlich oft als sehr brutal erweisen, stellenweise wirklich nicht bildlich vorstellen. Trotz der wörtlichen Brutalität wirkt das inhaltliche Konzept von "Sade Et Masoch" nicht gewaltverherrlichend. Im Gegenteil Fjoergyn klagen all' das mit Ihren Worten an: "Ach sprich doch Mensch, was tust Du nur. Ich kann Dich nicht verstehen" Die Lyrik ist sehr beeindruckend, erstens wirken die Formulierungen alle sehr durchdacht und zweitens ist jeder Song eigentlich ein Gedicht und besteht aus Reimen. Leider versteht man die Texte - obwohl sie deutsch sind - nicht immer und so fallen einem die ganzen liebevollen Details erst auf, wenn man sich wirklich mit den gedruckten Texten befasst: "Wir wussten uns'ren freien Willen nur mit Tod und Sünd zu stillen."
Leider kenne ich bisher keine Songs des Debuts, das der Beschreibung nach eher folkloristisch ausgefallen ist, was man von "Sade Et Masoch" nun nicht wirklich behaupten kann. Was dieses Werk angeht, so sollten hier alle Freunde des modernen, symphonischen, avantgardistischen Black Metals auf jeden Fall etwas Zeit investieren, denn mit kurz reinhören ist es nicht getan. Ich würde als Anspielttip ja jetzt eigentlich den letzten Track "Sade" nennen, aber ich persönlich könnte hier mal wieder auf die letzten 2 Minuten Lärm und den abschließenden Singsang verzichten, das hat für mich immer etwas von einem Lückenfüller und das hätten Fjoergyn auch mit 50 min Spielzeit wirklich nicht nötig! Überzeugt euch selbst! (13 / 15)

Evilized Webzine:
Ihr seid live dabei. Mit zittrigen Händen gelingt es mir, den Startknopf zu betätigen, die neue Fjoergyn ist endlich da. Viel hängt an diesem Album, die Messlatte liegt fies und schier unerreichbar hoch, und niemand wird hoffen wollen, dass das mittlerweile zum Trio angeschwollene Grüppchen das Ding verreißt.
Gerade läuft der Prolog, verheißungsvoll, aber nicht zu viel verratend. Eigentlich nur ein Spiel mit meinen Nerven, denn ich will eine Antwort auf meine brennende Frage: wie viel Genie steckt in Fjoergyn und wie viel Glück verhalf „Ernte im Herbst“ zum Meisterwerkstatus? Zwar zucke ich zusammen, als das ansonsten in gewohnter (und – keine Frage – auch erhoffter) Fjoergyn-Epik Fahrt aufnehmende Intro etwas mehr Druck aufbaut, aber das liegt wohl vor allem daran, dass „der Neue“ am Schlagwerk hockt und sicher nicht nur ich Befürchtungen hege, er könne die filigrane Eisblume Fjoergyn kurzerhand in Bruchstücke zerschlagen, die unter dem Meer aus stumpfen Altglas, das so am Markt herum liegt, nicht mehr sonderlich auffallen könnte. Bisher also nur eine Befürchtung.
„Das Leid des Einhorn“ fällt nicht nur durch den lediglich einfach markierten Genitiv auf. Augenscheinlich ist das meiste von dem, was auf „Ernte in Herbst“ so ergriff, auch hier zu finden. Klingt auf jeden Fall mal ohne Zweifel nach Fjoergyn. Dick arrangiert, leicht orchestral, Tasteninstrumente, Stephans markanter Gesang (der sich auch hier wieder semiflüsternd eingesungen mit Keyboardstreichern trifft) und vom feeling her dramatisch. In der letzten Minute peitscht dann noch etwas Metall vom Schlagwerk herüber, gut, auch hier kann ich es noch ertragen.
„Die Hierarchie der Engel“. Ich werde innerlich ruhiger. Die Band ist noch immer die gleiche, apokalyptische Untergangsszenarien waren unnötig. Der Song erreicht den ersten Höhepunkt an traurig-melancholischem Gänsehautfeeling – mit seinem Text ist er bestens geeignet für Sommertage, die man auf dem Rücken im Gras zwischen Grabsteinen oder an sonstigen Kraftplätzen liegend verbringt. Dass das mit Gothic nichts zu tun hat verstehen die, die EiH kennen und schätzen.
Bei „Ach sprich doch Mensch“ fällt beim ersten Hören vor allem die Rhythmik auf, weniger konventionell und dadurch interessant, wie viele Fjoergyn-Lieder mit Kulminationspunkt im letzten Drittel.
Den Anfang von „Masoch“ muss man als Fjoergyn-Fan nicht mögen. Der ist nämlich beinahe banal geraten, könnte er doch auch von anderen Gruppen stammen, weil ihm irgendwie das gewisse Etwas fehlt. Von der Melodik her wird sich „Masoch“ zum bisher positivsten Titel der Platte wandeln, bis in die letzten zwei Minuten wieder der undifferenzierte Metal vom Anfang Einzug halten wird. Als Versuch ist das ganz interessant, aber hier wird scheint dann kurz genau die Richtung auf, in die diese Band nicht gehen sollte.
„Katharsis“ zeigt, wie Entwicklung besser funktioniert: Die Klargesang-Teile hat man so bei Fjoergyn noch nicht gehört, und sie harmonieren ganz vorzüglich mit dem Rest. Die sich opernhaft verdichtende Mehrstimmigkeit am Schluss unterstreicht deutlich ein Hauptmerkmal der Gruppe: die Dramatik, die irgendwie ja immer mitspielt.
„Narziss(t)“ findet sich auf den Samplern mancher Musikmagazine und steht somit einem breiten Publikum zum Antesten zur Verfügung. Warum gerade der? Vielleicht ja, weil er klanglich dem 2005er Album am nähsten steht. Hier ist nichts falsch gemacht worden. Fjoergyn reigns supreme.
Gleiches könnte eigentlich für „Ich sah den Himmel weinen“ gelten, wäre da nicht im letzten Drittel wieder die Novität des Klargesangs. Wie gesagt – es funktioniert sehr gut und x-mal besser als „Masoch“, besser als dieses unsägliche Anbiedern mit Richtungen, die nicht zu dem Bild passen, das Fjoergyn von sich selbst entworfen haben.
„Sade“ macht mir schließlich noch mal deutlich: Fjoergyn sind keine Band für konventionelles Gepoltere, keine Band, für die einem als erstes ein Aufkleber „So-und-so METAL“ einfallen sollte, bestechen die Kompositionen doch in erster Linie durch avantgardistischen Eigenwillen und eine Klasse, die jene der trivialen Niederungen metallischer Musik sprengt – ja - „sprengt“. Erst war mir „entwachsen ist“ in den Sinn gekommen, doch dann fiel mir ein, dass EiH das Debut war, ein Musik gewordener Gott, oder Gott gewordene Musik, wer weiß das so genau. „Sade“ jedenfalls lässt sich durch einmaliges Hören nicht erfassen, wie im Übrigen glücklicher Weise das ganze Album nicht. Alles, was hier steht kann daher nur eine Momentaufnahme von meinen ersten Höreindrücken sein und erhebt keinen Anspruch auf Absolutheit. (Kann eine Rezension ja sowieso nie.)
Doch trotzdem noch mal kurz zu „Sade“. Am Ende sehe ich mich an Shakespeare erinnert: „Let the sky rain potatoes! Let it thunder to the tune of Greensleeves!“ Zwar donnert es nicht, und nach herabregnenden Töfften klingt der Klangmatsch zwar auch nicht, doch egal. Allein die Tatsache, dass einem zu Fjoergyn immer mehr einfällt als zu anderer Musik markiert die Klasse des Trios, das ja auf dem dritten Album vielleicht sogar zum Quartett angeschwollen sein wird.
„Sade et Masoch“ ist definitiv gelungen. Wahrscheinlich ist es irgendwo unfair, vergleicht man das Album nur einzig und allein mit „Ernte im Herbst“. Die Bedingungen waren 2005 ganz andere: man kannte die Band noch nicht, hat daher auch nichts von ihr erwartet. Danach war man gebannt, geprägt, entrückt, euphorisch. Wie sollte ein nachfolgendes Album dieses absolute Hochgefühl reproduzieren, jetzt, da man nie wieder so unvoreingenommen mit der Band kollidieren konnte? Rein hypothetisch: wäre „Sade et Masoch“ das Debut gewesen, wäre seine Wirkung nicht viel anders ausgefallen als die von „Ernte im Herbst“ 2005; „Ernte im Herbst“, jetzt veröffentlicht, hätte dann das Debut um Haaresbreite übertreffen können. Und was hätte das unterm Strich geändert? Nichts.
Sicher - "Sade et Masoch" ist im Vergleich zum Debut nochmal ein Stück fetter geworden was Sound und Produktion angeht; was Fjoergyn ausmacht bricht jetzt förmlich aus allen Takten hervor. Aber das funktioniert, ohne irgendwie anstößig zu wirken.
Wer vor dem zweiten Album Angst hatte, wird jetzt einfach das dritte fürchten müssen, denn auch nach dem zweiten Akt bleibt die einzig adäquate Reaktion schweigend zu applaudieren.

Bewertung: 98%
VÖ: 29.06.2007
www.fjoergyn.de

Metalnews:

Mein Gott, was habe ich mich auf dieses Album gefreut! Wie würde „Sade Et Masoch“ wohl als Nachfolger zu „Ernte im Herbst“ klingen, was seinerzeit quer durch Netz- und Druckwelt beinahe ausschließlich positive Kritiken einheimst? Um es vorweg zu nehmen und euch zu beruhigen: bombastischer, symphonischer, düsterer, FJOERGYNer! So will man es am liebsten beschreiben. Zu Recht, denn FJOERGYN halten an dem bei Fans und Presse so gefeierten Konzept fest und bauen dies erfolgreich und abermals höchst philosophisch aus. Während man sich auf dem Vorgänger noch über die Natur im Allgemeinen auslässt, ist diesmal die Natur des Menschen der Mittelpunkt allen Schaffens. Benannt nach den Namensgebern von Sadismus und Masochismus [Marquis de Sade & Leopold von Sacher-Masoch] beschreibt „Sade Et Masoch“ eben jene menschlichen Abgründe und deren düsterste Ecken, was sich in der Musik hervorragend widerspiegelt. Man mag immer noch kaum glauben, dass hier nur drei Musiker am Werk sind [obwohl im Ursprung sogar als Soloprojekt aufgezogen].
Abermals führt Frontmann und Gründer Stephan L. den Hörer durch alle emotionalen Stimmlagen und bedient sich passend zur Klangkulisse dreckigster Rauheit, hymnenhafter Folklore, seichten Flüstereinlagen und tiefen Growls. In manchen Passagen fühlt man sich [wenn auch nur leicht] an älteres Liedgut aus dem Hause SAMSAS TRAUM erinnert. Anders als bei den Aufnahmen zu „Ernte im Herbst“, dienen diesmal die Gitarrenlinien als musikalische Seele, gehüllt in einen Körper aus bombastischer Klassik [lobend zu erwähnen ist vor allem das stimmungsvolle Klavier], wunderschön sphärischen Untermalungen und düsterer Härte. Jene findet in Form von Blast Beats auf „Sade Et Masoch“ jedoch seltener Einsatz, was allerdings nicht als Verlust, sondern eher als besser dosiert und thematisch passender angesehen werden darf. Natürlich zugunsten eines im Gesamten absolut runden und durchdachten Werkes mit viel Liebe zum Detail. Besonders die lyrischen Ergüsse FJOERGYNs zeigen wieder einmal beschreibende Detailverliebtheit. So macht man aus dem Moment des morgendlichen Erwachens kurzerhand das Folgende:
„Als ich die Fantasie verließ und Wirklichkeit den Tag entfachte, hab’ ich sie alle umgebracht, …die Träume und was man beachte.“
Positiv sei ebenfalls noch erwähnt, dass der Drumcomputer nun beim zweiten Album restlos durch das neue Mitglied [Martin L.] ersetzt wird, was dem Ganzen – man könnte beinahe sagen: passend zur Thematik – einen natürlicheren, menschlicheren und weniger synthetischen Touch verleiht. Vielleicht sind es ja gerade seine Einflüsse, die erstmals vereinzelte, als rockig erkennbare Passagen einbringen [wie etwa im aufregendsten Stück der Platte, „Katharsis“].
Abschließend bleibt zu wünschen, dass FJOERGYN weiterhin an ihrer Tradition festhalten und uns noch viele weitere Male mit dieser einzigartigen Mischung aus Lyrik, klassischer Musik und düsterem Metal beschenken. Apropos Tradition: Während auf dem Vorgänger „Ernste im Herbst“ im letzten Song [„Requiem“] das Stück „Ode an die Freude“ verarbeitet wurde, widmet man sich diesmal in Form von „Greensleeves“ der Englischen Folklore, natürlich im letzten Song des Albums [„Sade“]. Tradition oder Zufall? Wir dürfen gespannt sein. Zum Schluss gönne man mir noch folgenden Ausruf: Viva Thuringia!

Border 6/7 Punkte

Metal.de:

Die neue FJOERGYN? Das ist in der Tat eine echte Herausforderung für mich, denn das Vorgängerwerk "Ernte Im Herbst" mochte man oder ließ es bleiben, Zwischenstufen waren in diesem Falle kaum erlaubt, und ich muss zugeben, ich gehörte zur ersteren Gruppe, soll heißen, dass mir "Ernte Im Herbst" nicht schlecht gefiel, obwohl, und ganz ohne Widerspruch funktioniert das Leben eben nicht, ich doch desöfteren dachte, einer grandiosen, nahezu größenwahnsinnigen Verführung zu erliegen, und zwar einer, wie sie von Bruckner, Orff und R. Strauss ausgeht, weniger oder gar nicht von Schönberg, Mahler oder Prokofiew. Das meint, hier wird klassizistischer Stil praktiziert, ohne Innovation, Ornamente ohne inhaltlichen Sinn, Spielereien um zu blenden, nicht jedoch dem armen Sinnsuchenden wirkliche Richtung vorzugeben außer einem betörten Blick nach oben. Dennoch, mir gefiel es, "Fjoergyn" und "Ernte Im Herbst" waren Songs voller Kraft, der Energie strotzenden Korns, satter Natur, sich selbst ungestüm feiernd, Blüten, die sich der (schwarzen?) Sonne öffnen, gleichsam ein Fest des ursprünglichen Naturerlebens im vollkommenen Gleich- und Einklang der betäubten Sinne.
Nach soviel Eingangsgedöns meinerseits nun endlich zum neuen Album von FJOERGYN, "Sade Et Masoch". Zunächst fällt auf, dass die Tracks wesentlich gitarrenorientierter eingespielt worden sind. Dennoch, die Trademarks wurden beibehalten: viel klassische Opulenz, gewisperte Stimmen im Wechsel mit Black-Vocals, zunächst beim ersten Hören anscheinend undurchsichtig komponierte, auf Breaks und atmosphärischen Zwischenspielen aufbauende Songs, die sich erst nach mehrmaligem Hören erschließen. Klavier und Bläser begleiten uns durch das Labyrinth menschlicher Psyche. Der Marquis De Sade und Leopold Von Sacher Masoch standen Pate für das textliche Ausleuchten sadistischer Handlungsfreiheit, womit die Band nahtlos an ihre Suche nach dem Naturglauben, auf dem Debut eindringlich inszeniert, anschließt. Verführung, das heißt flirrend umschmeichelnde Klänge mit entsprechenden Texten gibts allerorten, zu jeder Sekunde: stets hat der Hörer das Gefühl, seines Willens aus freien Stücken sanft entbunden zu werden, lässt es gerne geschehen, in Naturmystik einzutauchen, um sich im Glorienschein des permanenten Frühlings wiederzufinden. Oder ist das hier etwa schon Darwin? Das ist die Grundfrage, die ich mir immer wieder stelle...
"Prolog" nennt sich das anschmiegsame Intro, opulent, mit Hall produziert, dramatisch, ein metallisches Riff ist aufs geschickteste eingearbeitet. Die Drums sind diemal echt. "Das Leid Des Einhorns" ist bereits die bekannte Schlange, die säuselt, Rhythmus, Härte, sanfte Einschübe, beschwörende Vocals hypnotischer Natur, eindringlich, gebieterisch, den Song umklammernd. Geschickt plaziert auch Worte wie "Himmelszelt", "Weißes Kleid" oder "Einhorn", schon der den Worten innewohnende Klang impliziert epische Soundlandschaften von düsterer Weite. Das Finale erinnert musikalisch an ältere DIMMU BORGIR. "Die Hierarchie Der Engel" beginnt schwelgerisch, eine liebliche Melodie umgarnt uns, bildet den Kontrast zu den bösen Gesängen. Man fühlt sich fast an die Tafel von Artus versetzt. Texte, die vom "freien Willen" handeln, bilden die Brücke zu meinen Erörterungen am Anfang des Reviews, als ich vom überdimensioniert-narzisstischen Element dieser Musik sprach. "Ach Sprich Doch" baut erneut darauf, tranceartig zu wirken, das Flüstern und der gleichförmige Rhythmus tun ein übriges... Spätestens jetzt ist jedwede Gegenwehr erlahmt; nun beginnt die Blume des Bösen ihr Werk, und wie.
Denn mit "Masoch" gibts sozusagen das Epizentrum des Werkes zu hören, um diesen Scheitelpunkt dreht sich alles. Denn hier gibt es diese Melodien folkloristischer Art, die elektrisiert innehalten lassen, schön-gemein, und die Stelle nach dem kurzen Solo ab Minute 3:05 ist eine der besten Black-Passagen des Jahres, ergreifend, ein wenig theatralisch auch, was soll dann noch kommen, fragt man sich überwältigt. Eine ganze Menge, denn die Schlange FJOERGYN verführt weiter (der Apfel ist noch längst nicht gegessen) das ganze Album über in ähnlicher Weise mit allen möglichen einflüsternden und wispernden Stilmitteln. Ist das nun Kitsch der pompösen Sorte oder wirklich gut gemachter BM mit Klassik-Zitaten der deutschen Romantik? Ich kann es nicht sagen. Nur soviel: es gefällt, was ich daran sehe, dass diese Scheibe dauernd bei mir läuft, vor allem abends, da tut sie einige Wirkung. Das hätte ich nie gedacht; denn wie gesagt, Vorbehalte werde ich ob dieser ästhetisierenden Gigantomanie immer haben und ganz auswischen lassen sich diese Gedanken auch nicht. Dennoch, manchmal muss es Dr. Faustus sein, oder?

Punkte: 7/10
(Stendahl / 22.06.2007)

Metalspheres Webzine:
Das Debüt vor gerade einmal zwei Jahren fanden wir klasse und waren damals auch nicht minder enttäuscht, als sich Mastermind Stephan L. nicht zu unseren Fragen äußerte, die wir ihm anschließend in Form eines Interviews zugeschickt hatten. Dabei hatte er zuvor sogar noch angerufen und erklärt, daß er sich schnellstmöglich darum kümmern wolle. Die neue CD besprechen wir aber trotzdem, auch weil sie zu bedeutend erscheint um sie einfach zu ignorieren.
Bei einem Blick ins Bandinfo fällt ins Auge, daß Fjoergyn mittlerweile nicht länger ein Soloprojekt ist, sondern daß sich weitere Musiker um Stephan gesammelt haben, die sich nicht nur für die kommenden Live-Auftritte als echte Bereicherung herausstellen. Denn auch der Sound als größter Kritikpunkt des Debüts ist merklich besser geworden, und die Drums klingen nicht länger nach Computer.
Eine ebenso große Veränderung ist auch bei der Musik auszumachen. Zwar finden sich noch immer viele orchestrale Elemente im Soundgewand Fjoergyns, doch wurde die Epik gegen allerlei andere Empfindungen eingetauscht, zu denen unter Anderem eine verträumte Romantik zu zählen ist. Mit anderen Worten: Wo früher Parallelen zu Falkenbach geweckt wurden, läßt sich heute ein Hauch von Empyrium ausmachen. Sozusagen als Kontrast zu dieser trist-romantischen Sichtweise offenbaren Fjoergyn diesmal zudem eine abstoßend-widerwärtige Seite, zu der mir jegliche Vergleiche fehlen. "Sade et Masoch" ist deshalb nicht unbedingt eine "angenehme" CD, und man kann sie sicherlich auch nicht jederzeit oder gar mit nur einem Ohr hören. Nichtsdestotrotz paßt die musikalische Umsetzung dieser Stimmungen sehr gut zum Konzept des Albums, das sich laut Bandinfo mit der "Natur des Menschen in Hinsicht auf sein sadistisches und masochistisches Wirken" beschäftigt und diese gegensätzlichen Pole geradezu erfordert.
In manchen Momenten erinnert mich "Sade et Masoch" aufgrund seiner Stimmungen ein wenig an die zweite Disillusion, weniger von der Musik her (hier gibt's zum Glück nichts Elektronisches), als vielmehr durch ihre Sichtweise und die textliche Umsetzung. Zudem haben auch Fjoergyn vieles hinter sich gelassen, was ihr erstes Album seinerzeit noch auszeichnete. ABER: Sie haben im Gegensatz zu Disillusion keinen Stilbruch begangen, sich ihre Tiefsinnigkeit und damit die Art, wie sie ihre Bilder im Kopf des Hörers zeichnen bewahrt. Lediglich das Motiv hat sich geändert. Das ist ein Unterschied, und zwar ein Entscheidender, denn HIER kann man eindeutig von (legitimer) Weiterentwicklung sprechen. Zumindest dies sollte man neidlos anerkennen, auch wenn man mit der (zugegebenermaßen nicht gerade einfachen) Musik Fjoergyns nicht zurecht kommen sollte. Falls ihr die Band überdies noch durch den Erwerb von "Sade et Masoch" unterstützen wollt, dann habt ihr hierfür meinen Segen. (Denis) 
 
Metal Hammer:
Dark Metal 4

Auch im zweiten Anlauf lassen sich Fjoergyn kaum in eine Schublade zwängen. Zum Trio angewachsen, bedient sich die Truppe um Bandgrüner Stephan L. aus mehr als einer Inspirationsquelle. Orchestraler Keyboardbombast lässt an dunkle Gotik denken, der deutscher Krächzgesang erinnert an schwarze oder heidnische Vorbilder und ihre melancholischen Getragenheit verweist grob in Richtung Doom. Doch nur sehr ungefähr, denn SADE ET MASOCH hat weder mit klassischen Zeitlupenklängen der Marke St. Vitus noch insularen Ablegern wie My Dying Bride etwas zu tun. Eher lassen sich düstere deutsche Romantiker mit Empyrium als passendes Beispiel zitieren. Aus wallenden Keyboard-Teppichen und unterhalb der Schwarzmetallgrenze entstehen bei meist geringer Geschwindigkeit atmosphärische Kontraste. Dabei tauchen geradezu poppige Melodien auf. Rau geflüsterte, schnarrend gekrächzte und gelegentlich auch klare Gesänge unterstreichen die poetischen deutschen Texte. Anders als bei ihrem Debüt ERNTE IM HERBST (2005) ersetzt Trommler Martin L. den nervigen Ratter-Automaten, was für eine deutliche Steigerung des Klangbildes sorgt. Insgesamt sorgt SADE ET MASOCH für genüsslich trübe Laune, was vermutlich Fjoergyns musikalischem Streben entspricht. Romantiker notieren sich bitte einen dicken Extrapunkt.
Gunnar Sauermann

Metalroxx.de:
FJOERGYN - Sade Et Masoch

Grässlich kritische Schwarz-Romantik

Der Mensch ist eine Bestie. Grausam…unberechenbar…zerstörerisch! Will alles zu seinem Besten und seinem eigenen Vorteil verändern, ohne dabei nach rechts und links zu sehen oder auf die Bedürfnisse Umstehender einzugehen. Auch die Natur hat darunter zu leiden und fällt dem sadistischen und masochistischen Handeln des Menschen zum Opfer.
Was hat das nun alles mit dem neuen Werk von FJOERGYN zu tun, wird sich wohl der ein oder andere fragen. Ganz einfach. Vor zwei Jahren veröffentlicht Multiinstrumentalist Stephan L., damals noch als Soloprojekt, das Debüt „Ernte Im Herbst“, auf welchem er sich mit der Natur beschäftigt und ihren Mitteln, den Menschen aus ihrer Mitte zu verbannen. Auf dem Zweitling „Sade Et Masoch“ dagegen, behandelt man nun als Band die Grausamkeit des Menschen an sich. Der Albumtitel stellt dazu eine Brücke zu den beiden Wortschöpfern Marquis de Sade und Leopold von Sacher-Masoch dar.
Neben der Überveränderung vom Soloprojekt zu einer „richtigen“ Band, steht natürlich der Wechsel vom Drumcomputer zum Schlagzeug im Vordergrund. Bedingt dadurch, ist der Sound merklich besser geworden und kann mich somit mehr mitreißen als noch beim Erstlingswerk. Doch nicht nur der Sound hat eine Wandlung durchgemacht, nein auch musikalisch wandelt man auf anderen Pfaden. „Sade Et Masoch“ drängt einiges der Epic weg und lässt eine anstößige aber anziehende Romantik aufleben. Die Stimme dringt stellenweise widerwärtig und ekelerregend in jede Pore des Körpers und verleiht der heiklen Lyrik damit den entsprechenden Nachdruck. Ansonsten fährt man pompöse Keyboardteppiche auf, welche von krankhaft klingenden Riffs begleitet werden und rhythmische Drums untermauern die ganze triste Epik. Wobei all dieser Bombast stellenweise schon etwas schwülstig aus den Boxen quillt, so hat dieser Überschwang doch etwas Fesselndes. Und zudem kommt, dass je druckvoller die einzelnen Instrumente eingesetzt werden, desto finsterer und metallischer wirkt „Sade Et Masoch“ auf den Hörer. Ja, vereinzelt gibt es gar schwarzmetallische, majestätische Anleihen zu verzeichnen auf diesem doch nicht ganz einfachen Rundling.
Lyrisch ist „Sade et Masoch" auf jeden Fall auf sehr hohem Niveau angesiedelt, weswegen mir wahrscheinlich die musikalische Umsetzung stellenweise etwas zu banal erscheint. Sie passt zwar immer und überall zum Lyrikkonzept, dennoch steht die Musik bei den Texten deutlich hinten an. Hier würde ich mir noch etwas mehr Ausgefeiltheit wünschen.
Große „Ahhh“ oder „Oh“-Momente fehlen mir hier auf diesem Album, dennoch schaffen es FJOERGYN in meinen Augen wieder einmal hervorragend, ein wahres Kopfkino beim Hörer auszulösen. Was in meinen Augen sehr wichtig ist, denn wenn man sich die Musik nicht bildlich vorstellen kann, dann fehlt ihr etwas ganz Entscheidendes: Fantasie und Einfallsreichtum! Beide Komponenten finden sich auf diesem, zugegebener Maßen textlich sehr anspruchsvollem Album, wieder und lassen es zu einem kleinen Kunstwerk schwarzer, anrüchiger Romantik werden! Das Projekt hat sich deutlich weiterentwickelt und ich denke, dass man von den beiden noch so Einiges zu hören bekommen wird. Kritikfähige Themen gibt es in der heutigen Zeit immerhin genug. Einfach antesten und vielleicht, muss man sich nach dem Hören sogar eingestehen, dass so manch eine Passage leider auch ganz gut auf einen selber passt!

Punkte: 7/10

Tanja Nusser

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